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Anschreiben anfangen: 7 erste Sätze, die nicht nach Vorlage klingen

10 August 20268 min read
Anschreiben anfangen: 7 erste Sätze, die nicht nach Vorlage klingen

Ein Anschreiben fängt mit einer Anforderung aus der Stellenanzeige an und mit deinem Beleg dafür. Nicht mit deiner Freude über die Anzeige. Formulierungen wie „Hiermit bewerbe ich mich“ wiederholen nur, was in der Betreffzeile darüber schon steht. Der erste Satz muss etwas enthalten, das bei keiner anderen Stelle stimmen würde.

Warum funktioniert „Hiermit bewerbe ich mich“ nicht als erster Satz?

Weil der Satz keine Information trägt. Über ihm steht bereits eine Betreffzeile mit der Stellenbezeichnung und oft einer Referenznummer, darunter eine Anrede mit Namen. Wer dann schreibt, dass er sich hiermit auf die ausgeschriebene Stelle bewirbt, wiederholt zwei Zeilen und liefert keine dritte.

Dasselbe gilt für die Variante „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen“. Sie berichtet über einen inneren Zustand, den niemand prüfen kann, und sie würde bei jeder anderen Firma und jeder anderen Position genauso stimmen. Ein Satz, der überall passt, sagt nirgends etwas.

Daraus ergibt sich der Prüfstein für jeden Einstieg: Kopiere deinen ersten Satz und stelle ihn dir unter einer anderen Stellenanzeige vor. Bleibt er richtig, ist es kein erster Satz, sondern eine Aufwärmrunde. Wird er falsch, weil er einen Bezug enthält, der nur zu dieser einen Stelle passt, hast du einen Einstieg.

Der Platz ist knapper, als er wirkt. Ein Anschreiben passt auf eine Seite. Das ist keine Vorschrift, sondern eine Folge davon, dass daneben bereits ein vollständiger Lebenslauf liegt: Das Anschreiben erklärt die Verbindung zwischen diesem Lebenslauf und dieser Stelle, es wiederholt ihn nicht. Wer die ersten beiden Sätze an eine Formel verliert, hat ein Viertel dieser Erklärung verschenkt, bevor sie angefangen hat.

Was muss im ersten Satz stehen?

Zwei Bausteine, in einem Satz. Erstens ein Anker: eine Anforderung oder Aufgabe im Wortlaut genau dieser Anzeige. Zweitens dein Beleg dafür: die Station aus deinem Berufsalltag, die den Anker abdeckt, wenn möglich mit Umfang, Zeitraum oder Ergebnis. Alles andere kann warten.

Der Anker sorgt dafür, dass der Satz nur unter dieser Anzeige funktioniert. Der Beleg sorgt dafür, dass er nicht nur behauptet, sondern zeigt. Fehlt der Anker, klingt der Satz nach Vorlage. Fehlt der Beleg, klingt er nach Absichtserklärung.

Was im ersten Satz nichts verloren hat: dein Name, denn der steht im Briefkopf. Die Quelle der Anzeige, denn sie interessiert erst, wenn jemand danach fragt. Deine Motivation, denn Motivation ist der Schluss einer Begründung, nicht ihr Anfang. Und der Konjunktiv, weil er jede Aussage zurücknimmt, während du sie triffst.

Ein Beispiel für den Unterschied. Vorher: „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige für den Vertriebsinnendienst gelesen und bewerbe mich hiermit auf die Stelle.“ Nachher: „Sie suchen jemanden, der die Angebotserstellung von der Anfrage bis zum Vertrag begleitet. Das mache ich seit fünf Jahren, zuletzt für rund 40 Angebote im Monat.“

Der zweite Einstieg ist nicht netter formuliert. Er enthält etwas, das nur diese eine Bewerberin schreiben kann, und er benutzt die Begriffe aus der Ausschreibung. Wenn eine Software die Bewerbungen vorsortiert, sucht sie die Wörter aus genau dieser Anzeige. Und wer danach liest, sucht sie auch.

Wie findest du den Anker in der Stellenanzeige?

Der Anker steht in der Anzeige, nicht in deinem Kopf. Vier Schritte führen zu ihm, und sie dauern zusammen etwa zehn Minuten.

  1. Kopiere die Anzeige in ein leeres Dokument und trenne sie in zwei Spalten: links die Aufgaben, rechts die Anforderungen. Zwei Sorten Sätze, zwei Sorten Belege.
  2. Markiere die Begriffe, die in beiden Spalten vorkommen. Was doppelt genannt wird, trägt die Stelle. Meist sind es zwei oder drei Begriffe.
  3. Sieh dir den ersten Punkt unter „Ihre Aufgaben“ an. Er steht selten zufällig oben. Wer eine Stelle ausschreibt, nennt zuerst die Arbeit, die gerade liegen bleibt.
  4. Suche zu jedem markierten Begriff eine Station aus deinem Lebenslauf, die ihn belegt. Findest du zu keinem eine, ist es nicht dein erster Satz, der das Problem ist.

Aus dem Begriff mit dem stärksten Beleg wird der Einstieg. Die übrigen markierten Begriffe wandern in den zweiten und dritten Absatz, damit sie im Dokument vorkommen, ohne dass der erste Satz überladen wird.

Eine Grenze gehört dazu: Übernimm nur Begriffe, die zutreffen. Eine Anzeige abzuschreiben erzeugt eine Wortwolke, die im Gespräch bei der zweiten Rückfrage zusammenfällt. Und schreib nichts hin, was du nicht in zwei Sätzen erklären kannst.

Welche 7 ersten Sätze funktionieren?

Sieben Muster, die sich auf jede Anzeige anpassen lassen. Jedes hat einen Anlass, bei dem es das richtige ist. Die Beispielsätze sind zum Umschreiben gedacht, nicht zum Kopieren.

1. Der Abgleich. Der Regelfall, wenn die Stelle ziemlich genau deiner jetzigen Arbeit entspricht. „Sie suchen für die Debitorenbuchhaltung jemanden, der den Mahnlauf eigenständig fährt. Das ist seit 2019 mein Tagesgeschäft, zuletzt für rund 400 Rechnungen im Monat.“

2. Die Zahl aus deinem Alltag. Wenn dein Umfang das stärkste Argument ist. „Seit sechs Jahren verantworte ich die Entgeltabrechnung für 180 Mitarbeitende. Ihre Ausschreibung beschreibt dieselbe Aufgabe, eine Größenordnung darüber.“

3. Der sachliche Wechselgrund. Wenn du die Branche oder das Fach wechselst und die Lücke sonst jemand anders für dich füllt. „Nach acht Jahren im Außendienst möchte ich das, was ich dort über Kundenprozesse gelernt habe, im Produktmanagement einsetzen. Ihre Stelle ist die erste, in der beides ausdrücklich verlangt wird.“

4. Der echte Bezug zum Unternehmen. Nur, wenn du wirklich etwas weißt. Erfundene Begeisterung ist schlimmer als keine. „Ihre Umstellung auf S/4HANA, über die Sie im Januar berichtet haben, ist genau der Projekttyp, den ich zuletzt zwei Jahre lang begleitet habe.“

5. Die Empfehlung oder das Vorgespräch. Der stärkste Einstieg, wenn er zutrifft, weil er sofort einen Menschen im Haus benennt. „Frau Berger aus Ihrem Team hat mir die Stelle beim Branchentreffen im Juni beschrieben. Was sie über die geplante Umstellung erzählt hat, deckt sich mit dem, was ich in den letzten drei Jahren gemacht habe.“

6. Die Deckungsquote. Wenn die Aufgabenliste fast vollständig auf dich passt und du das sichtbar machen willst. „Drei der vier Punkte in Ihrer Aufgabenliste beschreiben meinen Arbeitsalltag. Beim vierten, der Führung eines kleinen Teams, bringe ich zwei Jahre als stellvertretende Leitung mit.“

7. Der Anlass auf deiner Seite. Wenn dein Wechsel einen äußeren Grund hat, den du besser selbst nennst. „Mein Projektvertrag läuft im Dezember aus, und ich suche eine Stelle, in der die Anlagenbuchhaltung nicht nebenher mitläuft. Genau so ist sie bei Ihnen ausgeschrieben.“

Keines dieser Muster funktioniert ohne den zweiten Halbsatz. Der Anker allein ist ein Zitat aus der Anzeige, der Beleg allein ist eine Behauptung über dich. Erst zusammen ergeben sie einen Satz, den nur du schreiben konntest.

Welche Einstiege kosten dich das Gespräch?

Vier Formulierungen, die regelmäßig am Anfang stehen und dort nichts ausrichten. Jede hat einen Ersatz, der dieselbe Zeile besser nutzt.

„Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als …“ wiederholt die Betreffzeile. Ersatz: der Abgleich aus Muster 1.

„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige auf der Plattform XY gelesen.“ nennt die Quelle, die im Zweifel im Bewerbungsformular ohnehin abgefragt wird. Ersatz: der Punkt aus der Anzeige, wegen dem du wirklich geklickt hast.

„Ich bin ein motivierter und teamfähiger Mitarbeiter mit einer strukturierten Arbeitsweise.“ besteht aus drei Eigenschaften ohne Beleg, die sich niemand entgegen behaupten würde. Ersatz: eine Aufgabe mit Umfang. Aus Struktur wird „die monatliche Abstimmung von acht Konten“.

„Ihr Unternehmen ist ein führender Anbieter in Ihrer Branche.“ erzählt dem Adressaten, was er über sich selbst weiß. Ersatz: streichen oder durch Muster 4 ersetzen, aber nur mit einer konkreten Beobachtung.

Ein Muster steckt in allen vier Fällen: Der Satz handelt entweder von dir und deinen Gefühlen oder vom Unternehmen und seinem Ruf. Der Einstieg, der trägt, handelt von der Schnittmenge aus beidem.

Wie geht es nach dem ersten Satz weiter?

Der erste Satz eröffnet eine Rechnung, die der Rest der Seite begleicht. Drei Absätze reichen dafür, und sie haben je eine feste Aufgabe.

Der zweite Absatz baut den Beleg aus. Er nimmt die Station aus dem ersten Satz und erzählt sie in drei Schritten: was die Aufgabe war, in welchem Umfang du sie gemacht hast, was dabei herausgekommen ist. Hier gehören die übrigen markierten Begriffe aus der Anzeige hinein, soweit du sie belegen kannst.

Der dritte Absatz beantwortet die Frage, warum dieses Unternehmen. Zwei bis drei Sätze genügen, und sie brauchen eine überprüfbare Grundlage: ein Produkt, eine Umstellung, eine Marktposition, die du benennen kannst. Wenn du nichts findest, das über die Startseite hinausgeht, lass den Absatz weg. Eine ehrliche Lücke ist besser als drei Sätze Höflichkeit.

Der Schluss holt die Bewerbung aus dem Konjunktiv. „Über eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen“ ist ein Wunsch. Eine Angabe ist stärker: ab wann du verfügbar bist, welche Kündigungsfrist gilt und, wenn die Anzeige danach fragt, deine Gehaltsvorstellung als Spanne. Das ist zugleich die Information, die im nächsten Schritt gebraucht wird.

Häufige Fragen

Darf ein Anschreiben mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnen?

Ja, aber nur wenn in der Anzeige und auf der Unternehmensseite kein Name steht. Eine namentliche Anrede ist der erste Hinweis darauf, dass du die Anzeige gelesen hast. Der Name steht oft im Kleingedruckten der Ausschreibung oder auf der Karriereseite.

Kann ich denselben ersten Satz für mehrere Bewerbungen verwenden?

Nein. Genau daran erkennt man ihn. Was du wiederverwenden kannst, ist der Aufbau aus Anker und Beleg. Der Anker wechselt mit jeder Anzeige, weil jede Anzeige andere Begriffe benutzt.

Wie lang darf der erste Satz sein?

Zwei Sätze sind der Rahmen: einer für den Anker, einer für den Beleg. Wer beides in einen Schachtelsatz presst, verliert genau die Klarheit, wegen der der Einstieg funktioniert.

Braucht man überhaupt noch ein Anschreiben?

Wenn es verlangt wird, ja. Manche Unternehmen verzichten inzwischen darauf und fragen stattdessen im Formular nach Motivation und Verfügbarkeit. Steht in der Anzeige nichts dazu, leg es bei. Ein knappes, konkretes Anschreiben schadet nie, ein fehlendes kann als unvollständige Bewerbung gelten.


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