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Lebenslauf

Bewerbung anpassen: Was pro Stelle wirklich geändert werden muss

17. August 20267 Min. Lesezeit
Bewerbung anpassen: Was pro Stelle wirklich geändert werden muss

Bei jeder Bewerbung ändern sich vier Dinge: die Reihenfolge innerhalb deiner Stationen, etwa zehn bis zwanzig Begriffe aus der Stellenanzeige, der erste Absatz des Anschreibens und die Sätze, die du für diese Stelle streichst. Alles andere baust du einmal und lässt es stehen. Das senkt den Aufwand pro Bewerbung auf Minuten.

Warum kostet jede Bewerbung so viel Zeit?

Weil neu geschrieben wird, was nur angepasst werden müsste. Der Lebenslauf wird geöffnet, überarbeitet, umsortiert, das Anschreiben von einem leeren Blatt begonnen. Dabei ist der größte Teil der Arbeit längst erledigt: Stationen, Zeiträume und Aufgaben stehen schon. Neu ist nur die Stelle, auf die sie zeigen sollen.

Dahinter stehen zwei Vorgehensweisen, die beide nicht funktionieren. Die erste schickt dieselben Unterlagen an alles. Sie kostet fünf Minuten und bringt selten eine Antwort, weil nichts im Dokument auf diese eine Stelle zeigt. Die zweite schreibt jedes Mal alles neu. Sie kostet ein bis zwei Stunden, und spätestens nach der fünften Bewerbung hört man auf, weil neben einem laufenden Job niemand das durchhält.

Beide Wege haben dieselbe Ursache. Es fehlt die Unterscheidung, welcher Teil der Bewerbung fest ist und welcher sich pro Stelle ändert. Ohne diese Unterscheidung bleibt nur alles oder nichts.

Dass sie so schwer fällt, liegt am Aufbau vieler Lebensläufe. Sie sind als Lebensbeschreibung angelegt: was war wann, in zeitlicher Reihenfolge, vollständig. Eine Lebensbeschreibung hat keinen variablen Teil, sie ist entweder richtig oder falsch. Eine Bewerbung dagegen ist eine Antwort auf eine Ausschreibung. Und eine Antwort ändert sich, wenn sich die Frage ändert.

Was bleibt bei jeder Bewerbung gleich?

Der Aufbau, die Reihenfolge der Blöcke, deine Kontaktdaten, Ausbildung, Zeiträume und die Beschreibung jeder einzelnen Station. Dazu alles Formale: eine Spalte, ein einheitliches Datumsformat, ein PDF mit echtem Text. Dieser Teil macht den größten Anteil des Dokuments aus, und er wird genau einmal gebaut.

Am häufigsten unnötig neu geschrieben wird die Beschreibung der Stationen. Sie lässt sich so anlegen, dass sie für jede Stelle taugt: Aufgabe, Umfang, Ergebnis. Also was du gemacht hast, wie viel davon, und was dabei herauskam.

„Zuständig für die Angebotserstellung“ beschreibt eine Zuständigkeit und taugt für keine Stelle, weil kaum Information darin steckt. „Angebote bis 50.000 Euro selbst kalkuliert, Preisfreigaben mit dem Vertrieb abgestimmt“ beschreibt dieselbe Arbeit und gilt für jede Stelle, die Kalkulation verlangt.

Wer jede Station einmal in dieser Form aufschreibt, hat den aufwendigsten Teil hinter sich. Diese Sätze werden danach nicht mehr umformuliert. Sie werden nur noch anders sortiert und um einzelne Begriffe ergänzt.

Ein Nebeneffekt: Ein so gebauter Lebenslauf ist auch für Software lesbar, die Bewerbungen vorsortiert. Wenn eine Software vorsortiert, sucht sie Begriffe und Felder, keine Formulierungskunst. Und wer danach liest, sucht dieselben Begriffe.

Rechne für diesen einmaligen Aufbau ein bis zwei Stunden. Das ist genau die Zeit, die eine einzelne Bewerbung nach der alten Methode gekostet hätte. Sie fällt danach nicht wieder an.

Was muss sich pro Stelle ändern?

Vier Stellen. Erstens die Reihenfolge innerhalb deiner Stationen. Zweitens etwa zehn bis zwanzig Begriffe, die aus der Ausschreibung kommen. Drittens der erste Absatz des Anschreibens. Viertens die Sätze, die für diese Stelle nichts belegen und deshalb wegfallen.

Die Reihenfolge. Der umgekehrt chronologische Aufbau bleibt, das ist in Deutschland die Erwartung. Was du entscheidest, ist die Reihenfolge innerhalb jeder Station: Die Aufgabe, die zur Stelle passt, steht in der ersten Zeile. Und die Station, die die Stelle am genauesten trifft, bekommt zwei Zeilen mehr als die übrigen.

Die Begriffe. Zehn bis zwanzig Wörter aus der Anzeige, dort eingesetzt, wo sie sachlich stimmen. Steht in der Ausschreibung „Debitorenbuchhaltung“ und du machst das seit Jahren, dann schreibst du „Debitorenbuchhaltung“ und nicht „Rechnungswesen“. Dieselbe Arbeit, ein anderes Wort.

Der erste Absatz. Das Anschreiben wird nicht neu geschrieben. Deine Begründung, warum du wechseln willst und was du mitbringst, bleibt von Bewerbung zu Bewerbung dieselbe. Was sich ändert, ist der erste Absatz: der Bezug auf diese Stelle und dieses Unternehmen. Der Rest steht.

Die Streichungen. Was zu dieser Stelle nichts beiträgt, fällt raus, auch wenn du stolz darauf bist. Zwei Seiten bleiben zwei Seiten. Kürzen ist Teil der Anpassung, nicht ihr Gegenteil.

Wie findest du die Begriffe, die in deinen Lebenslauf gehören?

Lies die Ausschreibung zweimal und trenne dabei Aufgaben von Anforderungen. Markier danach die Wörter, die in beiden Teilen vorkommen. Meist sind es drei. Diese drei Begriffe tragen die Stelle, und genau sie gehören in deinen Lebenslauf, soweit sie auf dich zutreffen.

Der nächste Schritt ist die Gegenprüfung. Zu jedem der drei Begriffe suchst du eine Station in deinem Lebenslauf, die ihn belegt. Findest du eine, formulierst du die betreffende Zeile mit diesem Begriff. Findest du keine, hat das zwei mögliche Gründe: Entweder fehlt die Station im Dokument, obwohl du die Arbeit gemacht hast. Oder du kannst die Anforderung nicht belegen, und dann ist es die falsche Stelle.

Was du dabei nicht tust, ist die Anzeige abzuschreiben. Wer möglichst viele Begriffe übernimmt, erzeugt eine Wortwolke, die im Gespräch nach zwei Rückfragen zusammenfällt. Die Grenze ist einfach zu prüfen: Jeder übernommene Begriff muss ein Beispiel haben, das du in zwei Sätzen erzählen kannst.

Eine weitere Stelle, an der es schiefgeht, sind Begriffe in weißer Schrift oder in Kommentarfeldern, um eine Vorauswahl zu überlisten. Das gilt als Täuschung und fällt beim ersten Blick in die ausgelesene Fassung auf.

Wie sieht die Anpassung an einer Station aus?

An einem Beispiel: Dieselbe Station, einmal allgemein und einmal auf eine Stelle in der Auftragssteuerung angepasst. Der Inhalt ist in beiden Fassungen derselbe, geändert haben sich die Reihenfolge der Zeilen und vier Begriffe.

Vorher, allgemein gehalten:

Sachbearbeiterin Innendienst, 03/2019 bis 08/2024. Bearbeitung von Kundenanfragen, Mitarbeit in der Angebotserstellung, Pflege der Stammdaten, Unterstützung des Vertriebs.

Nachher, auf eine Stelle in der Auftragssteuerung angepasst:

Sachbearbeiterin Innendienst, 03/2019 bis 08/2024. Auftragsabwicklung von der Bestellung bis zur Rechnung, rund 40 Aufträge pro Woche. Angebote bis 50.000 Euro selbst kalkuliert. Stammdaten in SAP gepflegt. Zwei neue Kollegen eingearbeitet.

Drei Dinge sind passiert. Die Auftragsabwicklung ist von Platz vier auf Platz eins gerückt, weil sie in der Anzeige der Kernbegriff war. „Mitarbeit in der Angebotserstellung“ ist zu einer überprüfbaren Angabe geworden. Und das System, in dem die Stammdaten liegen, steht jetzt namentlich da, weil es in der Ausschreibung stand.

Was nicht passiert ist: Es wurde nichts erfunden und nichts umgedeutet. Die Einarbeitung der Kollegen stand vorher nicht im Dokument, obwohl sie stattgefunden hat. Genau solche Sätze findet man bei der Gegenprüfung.

Wie viel Zeit braucht eine angepasste Bewerbung wirklich?

Nach dem einmaligen Aufbau etwa fünfzehn Minuten. Fünf Minuten für die Ausschreibung und das Markieren der Begriffe, fünf Minuten für Reihenfolge und Begriffe im Lebenslauf, fünf Minuten für den ersten Absatz des Anschreibens. Der Rest des Dokuments wird nicht angefasst.

Damit verschiebt sich die Arbeit an eine andere Stelle. Sie fällt nicht mehr bei jeder Bewerbung an, sondern einmal am Anfang. Und sie wird planbar: Fünfzehn Minuten passen an einen Abend nach der Arbeit, zwei Stunden nicht.

Dazu gehört, wo diese Methode aufhört. Anpassen macht aus einer unpassenden Bewerbung keine passende. Wenn du zwei von drei Kernanforderungen nicht belegen kannst, ändert kein Wort aus der Anzeige daran etwas. Dann ist die Bewerbung nicht schlecht formuliert, sondern an der falschen Adresse.

Und sie ersetzt kein Urteil. Ob eine Formulierung im Gespräch trägt, entscheidet sich daran, ob du sie erklären kannst. Diese Prüfung kann dir niemand abnehmen, kein Werkzeug und keine Vorlage.

Was die Methode leistet, ist begrenzter und trotzdem viel: Sie nimmt einen Grund für die Absage weg. Sie garantiert keine Einladung.

Häufige Fragen

Muss ich für jede Stelle ein neues Anschreiben schreiben?

Nein. Der Aufbau und deine Begründung bleiben. Was sich ändert, ist der erste Absatz mit dem Bezug auf diese Stelle. In der Praxis sind das drei bis vier Sätze, nicht eine ganze Seite.

Wie viele Begriffe aus der Anzeige darf ich übernehmen?

So viele, wie auf dich zutreffen, und keinen mehr. Die Prüfung dafür ist immer dieselbe: Kannst du zu diesem Begriff ein Beispiel in zwei Sätzen erzählen? Wenn nicht, gehört er nicht hinein.

Woran merkst du, dass du zu viel angepasst hast?

Wenn dein Lebenslauf klingt wie die Stellenanzeige. Oder wenn du eine Zeile liest und selbst kurz überlegen musst, worauf sie sich bezieht. Beides fällt im Gespräch auf, und dort schneller als im Dokument.

Lohnt sich der einmalige Aufbau bei nur wenigen Bewerbungen?

Ab der dritten Bewerbung. Die ein bis zwei Stunden am Anfang entsprechen ungefähr einer Bewerbung nach der alten Methode. Wer sich zwei Mal bewirbt, ist etwa bei null, ab der dritten spart die Methode Zeit.


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